Der Karneval aus der Hölle

Es gibt wenige Dinge, die ich mehr hasse als Karneval. Vielleicht noch Fasching und Orangen, aber ansonsten kommt ziemlich lange nichts auf meiner Hassliste, bis sich danach Fremdenhass, häusliche Gewalt und Papierschnitte weiter unten freundschaftlich die Hand reichen.

Wie soll man denn auch als aufgeklärter Mensch eine Veranstaltung ernstnehmen, die ganze Städte für Tage völlig lahm legt. Bei jedem noch so kleinen Streik, geht der deutsche Klaus schon auf die Barrikaden, weil die U- Bahn fünf Minuten zu spät kommt und bei dem Wort Generalstreik kriegt Klaus Panikattacken gepaart mit Schlafstörungen. Aber Karneval ist okay, oder was? Eine ganze Woche kommt eine komplette Großstadt nicht zur Arbeit und niemanden juckts? Come on, Deutschland! Narren trifft es schon ganz gut!
Gesellschaftliche Ereignisse, die auf schwachsinnigen Traditionen fußen sind mir ein Dorn im Auge, besonders dann, wenn sie mit stundenlangen und vor Qual lähmenden Fernsehübertragungen in Verbindung stehen, die mir den Spaß am Trash TV vermiesen.

Weil die Kölner so richtig crazy Partypeople sind, haben sie diese Disziplin für sich erschaffen, um endlich auch mal in was richtig richtig gut zu sein. Zu fett für ein Playboy Bunny? Kein Problem, im Karneval ist alles möglich! Ab dem achten Kölsch verschieben sich die Kurven einer missglückten Schönheitskönigin eh zum Besseren für Betroffene und Betrachter und es kann hemmungslos gevögelt werden, solange man dabei bloß nicht nüchtern wird.

Außer Kontrolle geratene Bankangestellte und Versicherungskaufleute verbringen einen großen Teil des Jahres damit, sich darüber Gedanken zu machen auf welches verrückte Kostüm es sich wohl am besten eine Mischung aus Döner und Jägermeister kotzen lässt und wie sich die Nonnenverkleidung vom letzten Jahr noch ein bisschen in Richtung sexy adjustieren lässt, damit auch der letzte verunstaltete Gorilla versteht, dass man es richtig nötig hat, angesprochen zu werden.

Wahrscheinlich gehört ich einfach zu den spaßbefreiten Hipsternörglern, die anderen durch ihr Geunke den Spaß am Feiern verderben und dafür schäme ich mich kein bisschen. Wie wär‘s denn, wenn all die ausgeflippten Hobbytrinker, die sich halb besinnungslos auf Kölns Straßen zur Leberzirrhose saufen, einfach dieses Jahr mal zuhause bleiben und was Anständiges machen? Ein Buch lesen zum Beispiel? Oder Gartenarbeit?

Weil ich die Menschheit aber trotz ihrer ausgewiesen Schwächen weiterhin mit ganzen Herzen liebe, möchte ich hier noch ausdrücklich erwähnen, dass ich allen Karnevalskulturen diese Feierlichkeiten von ganz tief unten gönne. Wahrscheinlich bekommt jeder, was er verdient. Meinen Kredit bei der Stadtsparkasse Köln kann ich jetzt wohl vergessen.

Aber ich wäre zu einem Kompromiss bereit:
Wenn ich jemals in die missliche Lage kommen sollte zu einer Karnevalsparty eingeladen zu werden, verkleide ich mich als Horst Evers. Aber das versteht dann sicher wieder keiner. Ist ja sicher auch nicht sexy genug.  



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