Ekelhaft, aber trotzdem irgendwie sexy


Der Mensch ist ein Mängelwesen. I get it. Man kann ja auch nicht alles haben. Aufrechter Gang ist ja auch schon mal was. Das kann ich akzeptieren. Trotzdem bin ich immer wieder über das Level meiner eigenen Mangelhaftigkeit schockiert. So als würde ich meinen Körper und dessen Fehlkonstruktionen nicht schon seit dreißig Jahren kennen. Versteht mich nicht falsch: Ich bin meinen Eltern sehr dankbar für diese 1A-Genkombination, die sie da einst für mich mehr oder weniger ausgewürfelt haben, die hat schließlich schon eine Menge Boys to the Yard gebracht, trotzdem ist das wirklich noch viel Raum für, sagen wir, Optimierung. Teilweise nimmt das alles nämlich schon fast bizarre Züge an. Und ich halte mich nicht mal für besonders weird. Aber wer bin ich schon, um das beurteilen zu können. Stichwort: Kognitive Dissonanz. Ruhig mal googlen, hier und da im eigenen Sprachgebrauch droppen und sich dann für seinen ausgezeichneten Intellekt abfeiern lassen. 

Ich zum Beispiel mache mich gerne über meine Unzulänglichkeiten lustig, damit niemand anders auf diese grandiose Idee kommt. Ich sehe verdammt schlecht. Klar, könnte ich eine Brille tragen, ich hab ja auch eine. Mach ich aber nicht. Weil ich sie hässlich finde und weil ich mich damit hässlich finde. Ich kneife lieber die Augen schmerzhaft lange zusammen, um die U-Bahn-Anzeige lesen zu können. Killer, wirklich. Richtig beschissene Idee. Leute, die an mir vorbeigehen, denken dann sicher, dass ich entweder große Schmerzen habe, oder der schlechteste Gangster der Welt bin. Klassischer Fall von internes Brainstorming zu spät abgebrochen. Aber irgendwie denkt mein Gehirn, die optimale Lösung für dieses Problem wäre, einfach den ganzen Tag wie ein kompletter Vollidiot mit zusammengekniffenen Augen durch die Gegend zu rennen. Wow. Joana. Krone der Schöpfung. 

Damit ist der Gipfel der Idiotie aber noch lange nicht erreicht: No, no, no. Ich hoffe wirklich, dass es nicht nur mir so geht: Aber ich schäme mich nicht zu sagen, dass sich sicher schon mehrere hundert Tage meines nicht mehr ganz so jungen Lebens mit Schwachsinn machen zugebracht habe. Quatsch gibt es natürlich viel, aber mit großem Abstand gewinnt bei mir auf jeden Fall das Training meiner Speicheldrüse (Glandula salivaria). Stunde um Stunde habe ich in meiner Vorpubertät in meinem traurigen Kinderzimmer gesessen und versucht kontrolliert und im hohen Bogen Speichel aus der dazugehörigen Drüse unter meiner Zunge zu spritzen. Und was soll ich sagen: Mission accomplished. Sinnloseste Körperfunktion ever. Ekelhaft und völlig sinnfrei. Aber je länger ich diesen sinnlosen Skill trainierte, umso ehrgeiziger wurde ich darin. Absolute Verschwendung von sämtlichen Ressourcen. Wenn ich davon erzähle, wollen immer alle sofort sehen, wie dieses Naturwunder aussieht. 20 Sekunden später bereuen natürlich alle instant, dass sie mich überhaupt jemals danach gefragt haben und alle Beteiligten wünschen sich, sich niemals kennengelernt zu haben. Sachen, die man einmal gesehen hat, kann man eben nicht mehr ungeschehen machen. Doppel Wow. Ich hätt auch einfach ein Buch lesen können. 

Ich bin wirklich nicht sicher, was mein Körper mir mit seinen seltsamen Fähigkeiten und Eigenschaften sagen will, aber ich kann mir vorstellen, dass Fortpflanzung definitiv nicht das Ziel dieser seltsamen biologischen Entgleisungen sein sollte. Ein Mensch, wie ich, der Gänsehaut bekommt, wenn er sieht, dass jemand eine Orange mit den Fingern schält, ist wohl nicht der Traum eines Evolutionsbiologen, sondern sollten wohl lieber man gucken, ob man’s da was aus der Apotheke gibt. Hoffe trotzdem, dass ich meinen Körper trotzdem noch irgendwie gebrauchen kann. Sparkt ja doch irgendwie Joy. Zumindest für mich. Ekelhaft ist ja irgendwie auch sexy. Ansonsten bin ich aber völlig normal. Übrigens: Das mit der Speicheldrüse ist völlig normal. Das hab ich gegooglet. Das können nur 3% der Bevölkerung. Ich bin also etwas ganz Besonders. Don’t judge me!

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