Schlechte Partys und ihre buckligen Verwandten

Auf eine Party gehen fühlt sich für mich oft an wie ein Zahnarztbesuch. Allerdings die Sorte Zahnarztbesuch, die man vorher nicht planen kann, weil man noch am Tag zuvor nicht wusste, dass man schrecklich stechende Zahnschmerzen bekommen würde, die alles andere sofort in den Schatten stellen und direkt aus der Hölle kommen, um uns zu peinigen. Zahnschmerzen, die man nicht mehr einfach ignorieren kann, weil der Schädel zu sehr pocht, um klar denken zu können. Wenn Ibuprofen nicht mehr hilft, dann ist ungefähr der Punkt erreicht, den ich nicht selten streife, wenn ich auf eine Party eingeladen bin. 

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin keinesfalls psychopathisch asozial veranlagt und einen Großteil der Zeit macht es mir auch nichts aus mich in der Öffentlichkeit aufzuhalten. Ich habe sogar Freunde, mit denen ich sehr gerne Zeit verbringe, aber mir eine Hose anzuziehen, um dann auf eine Party zu gehen, ist für mich die Höchststrafe. 

Denn seien wir doch mal ganz ehrlich: Wie oft passiert es denn, dass die Geburtstagsparty der Kommilitonin oder der Junggesellenabschied eines alten Schulfreunds uns eine aufregende und erkenntnisreiche Zeit verschafft? Genau: niemals. Das Einzige, was von solchen Feierlichkeiten übrig bleibt, ist mit Konfetti verklebter Parkettboden und Zigarettenkippen in den Blumenkästen auf dem Balkon. Wie erklären wir jetzt Mutti nur, warum die Vergiss-mein-Nicht schon wieder eingegangen sind? 

Eine Horde betrunkener Vollidioten, deren Gehirne trotz überstandener Pubertät immer noch in reichlich Wachstums- und Sexualhormonen hin und her schwappen, haben letzte Nacht den Aschenbecher nicht mehr gefunden? Sorry, ich bin dieses Wochenende nicht in der Stadt, aber trinkt einen für mich mit. 

Schlimmer noch als diese Art von mutwilliger Zerstörung privaten und/oder öffentlichen Eigentums unter enormem Alkoholeinfluss sind allerdings die Partys, die schon aufgehört haben, bevor sie überhaupt anfangen. Ja, genau diese eine Party, auf der wir alle schon anwesend waren. Fremdscham hin oder her. Eine Feier bei der der Gastgeber nervös zur Tür blickt, in der Hoffnung, dass die Gäste, die eh schon zwei Stunden zu spät sind, wenigstens gute Laune mitbringen, während alle anderen Gäste bereits unruhig auf der Ikeacouch rumrutschen und auf ihren Smartphones checken, ob es nicht irgendwo um die Ecke noch wilde Pokémon zu fangen gibt, denn alles ist besser als das hier. Das Licht ist zu hell und die Musik muss leider aus bleiben wegen der Nachbarn. Aber wenigstens ist der Hund des Gastgebers so richtig schön aufgedreht und besteigt alle Gäste, die es nicht schaffen sich rechtzeitig auf den Balkon zu retten. Sorry, ich muss morgen früh raus und wollte auch nur kurz Hallo sagen. 

Die nächste Variante der feuchtfröhlichen Zusammenkunft ist für mich wirklich mit Abstand die schlimmste: die Studentenparty. Schon beim Betreten der Vier- bis Sechszimmer-WG schlägt dem wagemutigen Partygänger der Geruch von halbillegalen Badesalzmischungen und ekelhaften Cocktailexperimenten entgegen. Auf magische Weise finden sich im Schummerlicht solcher Partys immer innerhalb kürzester Zeit Gleichgesinnte zusammen, die „ein Spiel“ spielen wollen. Wirklich eine ausgezeichnete Idee, liebe DreadlockträgerInnen. Wer es auf einer Studentenparty bis zu diesem Punkt geschafft hat, verdient meinen vollen Respekt und ebenfalls einen Schnaps. Aber alles, was dann folgt, kann nur noch in einer Katastrophe enden. Während in der Küche über die nahende Lösung des schwelenden Nahostkonflikts unter Zuhilfenahme gefährlichen Halbwissens diskutiert wird, versperrt eine gehörnte Schöne mit verschmiertem Mascara seit geraumer Zeit das Badezimmer. Sorry, ich hab Freunde zu Besuch, sonst wär ich echt gern vorbeigekommen. 

Wie auch sonst im Leben sind lustige kleine Hüte und verrücke Mottos nicht sonderlich geeignet, um die Stimmung einer Zusammenkunft zu heben, wie meine bisherigen Erfahrungen belegen. Ebenso wenig tragen StripperInnen oder das schnelle An- und Ausschalten des des Deckenlichts in der Küche zur Belustigung der Gäste bei. Klassische Anfängerfehler, denn das alles schafft nur Alkohol. 

Die einzige Party, die mich halbwegs versöhnlich stimmen kann inmitten dieses schrecklich Partyarmageddons, ist die gute alte Grillparty. Hier ist es meistens angenehm dunkel und niemand interessiert, ob ich eine Hose trage. Nach dem ausgiebigen Verzehr von größtenteils garen Speisen muss das Völlegefühl selbstverständlich mit Hochprozentigem bekämpft werden. Right up my Alley. 

Also hier mein Grußwort an alle crazy Party People: Belehrt mich eines Besseren, oder lasst es besser gleich bleiben. Ich komm eh nicht. 


Kommentare

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts